Linnea und die App für 5 Mio. Kids
Shownotes
Wie ernst nehmen wir Inklusion wirklich, etwa wenn es um die berufliche Orientierung von Kindern und Jugendlichen geht? Und wie muss eine App aussehen, damit sie unsere auf TikTok und SnapChat geprägten Kids wirklich anspricht und für dieses Thema begeistert?
Linnea Erlich, Creative Consultant und Senior UX-Designerin bei SUNZINET, nimmt uns mit in die Entwicklung eines außergewöhnlichen Projekts, dessen Zielgruppe heterogener kaum sein könnte und das Maßstäbe nicht nur in Sachen Barrierefreiheit, sondern auch beim Markendesign gesetzt hat (German Brand Award in Gold). In unserer aktuellen Folge der Kundenliebe AG verrät sie Host Vanessa Havens außerdem,
• wo A-B-Tests in der Entwicklung besonders aufschlussreich waren,
• worin ihre größte Herausforderung bei der Umsetzung von Barrierefreiheit bestand,
• was Gamification-Elemente gerade für jüngere Zielgruppen bewirken können
• und warum Datenschutz in der Umsetzung eine so große Rolle gespielt hat
Wir danken der Full-Service Digitalagentur Sunzinet GmbH (www.sunzinet.com)) und Linnea Erlich für den Blick hinter die Kulissen eines Ihrer erfolgreichen Projekte. Die besprochene App selbst entdecken könnt Ihr hier: https://berufswahlapp.de/
Und falls Ihr mehr von der Partnering Alliance wissen möchtet, aus deren Kreis wir die Experten und spannenden Best Practices beziehen, findet Ihr alle Infos unter https://partnering-alliance.com/
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Transkript anzeigen
TRANSCRIPT: Kundenliebe AG – Episode 02: Linnea und die App für 5 Mio. Kids
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[Speaker 0]
00:00 Willkommen bei der Kundenliebe AG, dem Podcast, in dem wir die spannendsten Fälle echter Kundenzentrierung untersuchen. Jedes Mal ein neues anonymisiertes Unternehmen, jedes Mal eine besondere Herausforderung und Experten, die erklären, wie aus Problemen Erfolgsgeschichten wurden. Wer steckt dieses Mal hinter der Kundenliebe AG und welche Lektionen können wir daraus lernen? Hier ist euer Host Vanessa Havens.
[Vanessa]
00:31 Hallo, wir sind die Kundenliebe AG. Mein Name ist Vanessa und ich bin in der heutigen Folge natürlich nicht alleine. Ich darf heute in meinem Projektteam die Linnea Ehrlich begrüßen. Linnea ist preisgekrönte Creative Consultant, Senior UX-Designerin und Branding-Expertin. Herzlich willkommen, Linnea. Schön, dass du da bist.
[Linnea]
00:50 Vielen, vielen Dank. Ich freu mich auch.
[Vanessa]
00:52 Linnea, magst du dich vielleicht einmal selbst vorstellen und mir verraten, welche Superpower bringst du denn heute mit in unsere Arbeitsgruppe?
[Linnea]
01:00 Ja, das kann ich, glaube ich, ganz gut damit beantworten, indem ich sage, ich bin wirklich Designerin aus vollem Herzen, wie du ja bereits eingeleitet hattest. Meine Rolle ist Creative Consultant und UX-Designerin. Das heißt, Webdesign ist natürlich so mein zentrales Thema. Branding ist aber eine Expertise von mir und eben mittlerweile auch Barrierefreiheit. Und grade Barrierefreiheit ist auch ein absolutes Herzensthema für mich, worauf wir dann ja später auch noch mal eingehen werden.
[Vanessa]
01:31 Ich bin sehr gespannt, Linnea. Ihr habt da ja wirklich 'n wahnsinnig spannendes Projekt begleitet und du hast mir ja schon verraten, das ganze Projekt mit der Kundenliebe AG hat ja eine Kernprojektzeit von vier Jahren. Das ist sehr umfangreich und sehr großes Projekt gewesen. Kannst du es denn in zwei bis drei Sätzen vielleicht für unsere Zuhörer einmal zusammenfassen? Geht das überhaupt?
[Linnea]
01:55 Ja, das ist natürlich schwierig, das in so kurzer Zeit zu machen. Aber natürlich kann ich, ähm, grundsätzlich das Projekt mal vorstellen.
[Vanessa]
02:03 Mhm.
[Linnea]
02:04 Ich möchte aber bei unseren Nutzerinnen und Nutzern, den Schülerinnen und Schülern Deutschlands anfangen.
[Vanessa]
02:10 Mhm.
[Linnea]
02:11 Die müssen ja in Zukunft sich entscheiden, was sie beruflich machen wollen. Es geht also die berufliche Orientierung.
[Vanessa]
02:20 Mhm.
[Linnea]
02:21 Schülerinnen und Schüler werden hier seit 2003 systematisch pädagogisch schon begleitet. Die haben bisher einen analogen Ordner hierzu gehabt mit hunderten Seiten, ähm, an Aufgaben, ne, die sie während ihrer, ihrer Unterrichtszeit eben von der siebten, siebten Klasse bis zur zehnten oder dreizehnten Klasse haben. Und dieser Ordner, wie man sich vorstellen kann, ist natürlich für so eine junge Zielgruppe nicht besonders gut handhabbar gewesen.
[Vanessa]
02:53 Oje.
[Linnea]
02:53 Und deswegen haben wir diesen Ordner in eine App digitalisiert.
[Vanessa]
02:59 Was würdest du sagen, jetzt so nach Abschluss des Projekts, ist euch das gelungen, was ihr euch vorgestellt habt am Anfang?
[Linnea]
03:05 Das Schöne daran ist wirklich, dass wir von den Schülerinnen und Schülern durchweg positives Feedback erhalten. Die finden das Design cool, die mögen die Funktionen der App und damit haben wir natürlich schon genau das eigentlich geschafft, was wir uns von Anfang an als Hauptziel gesetzt haben. Denn wie man sich vorstellen kann bei so 'nem Projektkonsortium, es sind ja auch zusätzlich zu diesem Projektkonsortium vorher schon, bevor das Projekt überhaupt angefangen hat, Wissenschaftler an diesem pädagogischen Prinzip dahinter dran gewesen. Und die, die natürlich alle an einen Tisch zu bekommen, Entscheidungen zu treffen, ist hochkomplex gewesen und manchmal hat man, glaube ich, fast die Schülerinnen und Schüler 'n bisschen aus den Augen verloren. Deswegen ist es aber für uns so 'ne tolle Bestätigung, dass grade die Schülerinnen das so gut finden. Und, ähm, das ist wirklich das, wo wir-- wo ich sagen kann, da haben wir es offensichtlich wirklich geschafft, eben diese Lebensrealität der Schülerinnen und Schüler, die heutzutage das Handy immer in der Hosentasche haben, wirklich erfolgreich so zu digitalisieren, dass sie das nutzen, dass sie's gern nutzen, dass sie's gut nutzen können, inklusiv, kultursensibel. Das sind ja, ne, Schülerinnen und Schüler in ganz Deutschland. Das ist eine der größten Zielgruppen, die man sich eigentlich vorstellen kann
[Vanessa]
04:30 Mhm.
[Linnea]
04:30 Unglaublich heterogen. Insofern haben wir das wirklich sehr, sehr gut geschafft, dass wir dieses Mindset von Anfang an im Projekt gehabt haben und somit jetzt auch erfolgreich sind. Was wir-- Was natürlich der Vorteil ist an einer digitalen App im Vergleich zu so 'nem Ordner, sind natürlich auch weitere Funktionen, die ein analoger Ordner überhaupt nicht leisten kann. Nämlich, ich hab 'n Cockpit in der App, ne, wo ich mich supergut direkt, wie man das aus 'ner App kennt, ähm, zurechtfinden kann. Ich hab meinen Weg, der diese, im Prinzip diese Aufgaben schon natürlich abbildet, aber durch die Lehrkräfte, die ja an diesem Prozess beteiligt sind, das erweitern können. Was die Schülerinnen und Schüler außerdem haben, die Möglichkeit sind, Storys zu machen, für sich selbst allerdings mehr, als wie jetzt in der Social-Media-Welt. Die können direkt Audioaufnahmen machen, Videoaufnahmen machen. Nehmen wir mal an, die sind in den Ferien, treffen jemanden, dessen Beruf die toll finden und dann können die das direkt im Sinne eines E-Portfolios in diese App hineinsetzen und das ist fantastisch
[Vanessa]
05:42 Das ist wirklich sehr, sehr cool, ja. Jetzt hast du ja schon gesagt, man muss so 'n bisschen aufpassen, dass man diese Schülerinnen und Schüler nicht aus den Augen verliert von Anfang an in den, in den Vorgesprächen, sag ich mal. Da habt ihr dann auch irgendwann Tests durchgeführt. Ich stell mir das sehr, sehr schwierig vor. Kannst du uns vielleicht einmal mit, mit reinnehmen und uns mal erklären, wie solche Tests abgelaufen sind? Wie habt ihr die gemacht? Wie oft vielleicht auch? Und wie gesagt, ich mein, Klassenstufe sieben bis dreizehn ist ja auch sehr breit.
[Linnea]
06:09 Wir hatten wirklich das Privileg, dadurch dass Wissenschaftler ja in diesem Projekt mit beteiligt waren, Zugriff auf große-Erprobungsgruppen zu haben. Das waren über sechstausend Schülerinnen und Schüler und Lehrkräfte, die in drei Phasen diese App getestet haben. Da wurden ganz offizielle empirische Umfragen gemacht, während die die App genutzt haben. Dadurch haben wir ja während der Projektentwicklung, das Kernprojekt waren eben ungefähr zwei Jahre, haben wir dreimal großartiges Feedback bekommen, was wir direkt immer einarbeiten konnten. Das war sozusagen der offizielle Teil, wie diese App getestet wurde. Was wir aber zusätzlich ja gemacht haben, wir haben ja auch die Marke entwickelt. Und da hatten wir dann Zugriff auf über zweihundert Schülerinnen und Schüler und Lehrkräfte und da haben wir auch tatsächlich Interviews durchgeführt. Und diese Interviews, was dabei rausgekommen ist, das war wirklich das Allerwichtigste an Feedback, was wir da bekommen können.
[Vanessa]
07:14 Magst Du so 'n Feedback mal teilen? Also was haben die denn so euch mitgegeben?
[Linnea]
07:18 Was zum Beispiel spannend war, wir waren davon ausgegangen, dass diese App beispielsweise einen coolen Namen braucht, ne. Aus der Lebensrealität der Schülerinnen und Schüler gegriffen, so was wie TikTok, Snapchat, Pinterest. So 'n Namen hatten wir am Anfang. Wir haben aber auch eine klare Weiterentwicklung einfach dieses analogen Ordners als b-Test in diesem a-b-Test durchgegeben. Und faszinierende Reise war diese Annahme, die wir getroffen haben, jung, cool, modern, überhaupt nicht die richtige. Denn die Schülerinnen und Schüler haben gesagt, das Ding hieß vorher doch so und so und jetzt hätten wir gern das Gleiche einfach nur als App. Also das war auch ein absoluter √úberraschungsmoment und deswegen ist es so wichtig, dass man eben diese Tests an der Zielgruppe selbst durchführt. Welche Gruppe wir auch noch zur Verfügung hatten, war eine komplette Schule für Sehbeeinträchtigte und die haben uns auch unglaublich wertvolles Feedback für die App in diesem Modus eben gegeben in Richtung Barrierefreiheit.
[Vanessa]
08:29 Das stimmt, das hast Du ja am Anfang schon schon gesagt, dass das Thema Barrierefreiheit dir am Herzen liegt. Und grade weil Du jetzt diese Schule mit Sehbehinderten angesprochen hast, wie habt ihr das dann mit in diese App mit reingebracht?
[Linnea]
08:42 Also wir wussten von Anfang an, dass diese App BETV zertifiziert werden muss. Das ist also die höchste deutsche Barrierefreiheitsverordnung. Die hat im Vergleich zu der internationalen WCAG noch mal mehr Prüfpunkte, oh Wunder.
[Vanessa]
08:58 Mhm.
[Linnea]
08:58 Und
09:00 wir wussten aber ja auch, das ist nur die Zertifizierung und die müssen wir erreichen. Wir wussten aber eben auch, dass wir diese Zielgruppe haben, mit der wir das live testen können. Das heißt, wir haben uns beispielsweise in sehbeeinträchtigte, auch in lernbeeinträchtigte Schülerinnen und Schüler wirklich hineinversetzt und haben geschafft, diese Zertifizierung auf Anhieb auf fast neunzig Prozent schon zu erreichen.
[Vanessa]
09:29 Aha.
[Linnea]
09:30 Das Hineinversetzen, das hatte dann seinen Höhepunkt darin, dass nachdem die App programmiert war, wir Erklärvideos für diese App machen müssen. Die wurden dann in einem Onboarding in die App auch integriert. Genau so was ist ja auch der Vorteil von einer digitalen App im Vergleich zu 'nem analogen Ordner. Diese Erklärvideos, für die musste ich selbst erst mal lernen, diese App komplett blind zu bedienen.
[Vanessa]
09:58 Mhm.
[Linnea]
09:58 Also ich habe Monate damit verbracht, diese App komplett mit Augen zu, nur mit dem Screenreader selbst zu bedienen, eben dann Erklärvideos zu machen. In leichter Sprache und Gebärdensprache beispielsweise kann man das schlichtweg übersetzen lassen. Aber dieses eben wirklich eine blinde Person zu nehmen, die das komplett anders erfährt, das war unglaublich wertvoll und spannend. Das hat auch wirklich richtig Spaß gemacht.
[Vanessa]
10:27 Ja, das stell ich mir auch spannend vor. Würdest Du denn auch sagen, so rückblickend, dass das so das das Highlight war, dass Du sagst, ihr habt direkt diese Zertifizierung erfolgreich bekommen?
[Linnea]
10:37 Definitiv. Also Barrierefreiheit so auf dem Level hinzukriegen, war wirklich das Herausforderndste und wirklich Spannendste, was ich eigentlich in meinem Leben jemals gemacht hab bis eben zu diesem höchsten, höchsten Level der BETV Zertifizierung. Also es macht mir wirklich Spaß, über dieses Thema zu sprechen, weil mir eben auch Inklusion heute so, so wichtig ist. 'n weiteres Highlight, was ich aber gern noch erwähnen möchte, ist die Gamification. Mhm. Denn das ist eben auch noch mal so was Digitales, was ja so 'n Ordner überhaupt nicht leisten kann. Die Gamification ist dann was, was in die App eingewoben wird. Das heißt, wann auch immer ich in dieser App mich bewege und eben Aufgaben erfülle oder Stories reinbringe, mich einfach damit beschäftige mit meiner beruflichen Orientierung, was sind meine Stärken, was sind meine Interessen? All das wurde in ein System überführt, was mir beispielsweise Erfolge gibt. Das heißt, ich hatte so Erfolge, die konnte ich erreichen wie in so 'nem Spiel, wie so mit den Punkten und Level und ich kann mich auch mit meiner Klasse auch vergleichen. Und das ist natürlich schon eben so 'n Gamification Ansatz, den wir zusammen mit der Wissenschaft verfolgt haben und eben in die gesamte App eingewoben haben
[Vanessa]
12:03 Das klingt echt cool. Habt ihr da vielleicht auch irgendwie Feedback bekommen, wie gut dieser Ansatz ankam? Habt ihr da von den Schülern irgendwas dazu gehört zu diesem Ansatz?
[Linnea]
12:13 Also man muss ja bedenken, die Schülerinnen und Schüler kriegen das in der siebten Klasse, haben das auf jeden Fall schon mal drei weitere Jahre und dann eventuell ja sogar sechs Jahre insgesamt.Und das ist ja eine unglaublich lange Zeit. Darüber haben wir jetzt natürlich aktuell noch keine Tests, wie lange das wirklich über so 'ne lange Zeit funktioniert, aber die Annahme ist hier wirklich, dass sie zumindest am Anfang schon in so 'ner Art Gamification-Prinzip übernommen werden und dann macht es eben mehr Spaß, weil man da wirklich so 'nen kom-- kleinen kompetitiven Ansatz einfach noch mal dazu bekommt.
[Vanessa]
12:50 Vielleicht noch mal zu den, zu den Tests am Anfang. Also du hast ja gesagt, ihr hattet da wirklich Zugang. Waren es immer die gleichen Schülerinnen und Schüler, die ihr da über mehrere Jahre oder praktisch mehrfach begleitet habt oder waren das wirklich immer unterschiedliche Stimmen, die ihr da einsammeln konntet?
[Linnea]
13:07 Wir waren ja selbst leider in dieser großen Erprobung nicht involviert. Wir haben immer die Ergebnisse bekommen.
[Vanessa]
13:15 Mhm.
[Linnea]
13:15 Aber soweit ich weiß, waren das halt auch wirklich unterschiedlichste Schularten ja auch. Das dürfen wir ja auch nicht vergessen, dass wir in Deutschland im Schulsystem ja auch noch unterschiedliche Schularten haben. Und diese Heterogenität, die wurde auf jeden Fall in diesen Erprobungen komplett eingehalten.
[Vanessa]
13:34 Jetzt ist es natürlich, äh, gerade so, ich nehme auch mal an, dass, äh, vielleicht auch schon in der Erprobung wahrscheinlich das Ganze recht anonymisiert war. Generell Nutzergruppe sehr, sehr jung. Jetzt ist das alles in 'ner App. Wie habt ihr denn da das Thema Datenschutz auch? Das ist ja gerade bei dieser jungen Zielgruppe vielleicht auch noch mal sehr, sehr wichtig auch, dass, dass diese ja wirklich sich in 'nem geschützten Raum bewegen können.
[Linnea]
13:57 Geschützter Raum ist 'n schönes Stichwort, denn wir dürfen ja nicht vergessen Schülerinnen und Schüler, die ab der siebten Klasse anfangen, sich damit erstmal zu beschäftigen, wer bin ich eigentlich, was habe ich für Stärken, was habe ich für Interessen? Das sind so hochpersönliche Infos, die eigentlich sogar über Gesundheitsdaten et cetera drüber hinausgehen. Das ist mein innerstes Selbst, was ich da in diese App reingebe. Und genau deswegen, weil es hier um Kinder geht, die am Anfang ihrer Entwicklung stehen, deswegen war das Thema Datenschutz eigentlich das höchste Thema bei der gesamten Entwicklung. Das heißt, egal was wir getan haben, haben wir immer den höchstmöglichen Standard an Datenschutz in die App gebracht. Wir haben das unter anderem genau aus dem Grund auch über eine große deutsche Cloud gehostet und das ist zum Beispiel jetzt auch-- in der Weiterentwicklung wird das sehr interessant über einen sogenannten Single Sign-On zu ermöglichen, dass, dass die App auch mit Schulportalen verknüpft wird. Das sind, sage ich mal, Vereinfachungen, die wir den Nutzergruppen zur Verfügung stellen wollen, aber dabei ist eben der Datenschutz nach wie vor das allerhöchste Gut.
[Vanessa]
15:17 Du hast ja gesagt, da sind ja auch Lehrer und Lehrerinnen, ähm, mit involviert. Wie sieht es denn da aus? Also haben die Zugriff oder können die da irgendwo reingucken oder wie, wie sieht es in der App dann aus?
[Linnea]
15:29 Also die Lehrkräfte haben ja einen Lehrplan-
[Vanessa]
15:32 Mhm.
[Linnea]
15:32 -im Prinzip dieser beruflichen Orientierung mit diesen Aufgaben, haben aber auch Möglichkeit, selbst eigene Aufgaben zu kreieren. Das ist eben auch der Vorteil einer App, dass die wie so 'ne Art Baukastensystem da zur Verfügung kriegen und selbst kreativ damit umgehen können. Und das sind auch genau jetzt natürlich jetzt, wo die Grund-App gemacht ist und an die Schülerinnen und Schüler geht, werden jetzt diese anderen Zielgruppen, nämlich die Lehrkräfte oder auch die Erziehungsberechtigten, die Zugang in diese App bekommen, die werden da jetzt noch mehr integriert.
[Vanessa]
16:12 Du meintest ja auch, man, man kann so, ähm, Storys und so aufnehmen, die kann man dann aber nicht mit seinen Klassenkameraden oder so teilen, weil du meintest, man kann sich da zwar vergleichen, aber das ist dann wirklich, äh geschlossen für sich sozusagen dann nur.
[Linnea]
16:26 Auch das wurde natürlich gut überlegt im Konzept, denn das wäre ja schade, wenn ich nicht in der Lage wäre, das später zu teilen. Es geht nur darum, dass der initiale Zustand erstmal so ist, dass ich das selbst in meiner eigenen App im geschützten Raum machen kann. Aber mit der Pinnwand, das ist nämlich auch 'ne Kernfunktion der App. Mit der Pinnwand habe ich die Möglichkeit, Aufgaben oder eben Storys dann doch mit meinen Mitschülerinnen und Schülern, Lehrkräften und auch meinen Erziehungsberechtigten zu teilen. Also das ist wirklich auch 'ne ganz zentrale Funktion, wo dann auch in Zukunft vermutlich auch über 'ne KI-Integration auch noch mal ein zusätzliches Level hinzukommen wird.
[Vanessa]
17:13 Okay, spannend. Du hast ja jetzt, äh, KI schon erwähnt. Ich meine, das Projekt läuft ja jetzt auch schon seit sieben Jahren. Jetzt hat sich ja auch in dem Bereich 'n bisschen mehr entwickelt auch. Und ihr betreut ja die Kundenliebe AG ja auch weiter. Und wenn du jetzt KI erwähnst, was ist da denn geplant?
[Linnea]
17:29 Also es wird auf jeden Fall darum gehen, wenn die KI ins Spiel kommt, das zu individualisieren. Also die App hat halt eben einen Grundstock eben an Funktionen, an diesen vorgefertigten Aufgaben, aber die Lehrkräfte wollen eben mehr Individualisierung in dem Schaffen von Aufgaben tatsächlich und die Schülerinnen und Schüler ja auch in dem, wie sie die App nutzen. Also das sind aktuell aber tatsächlich erstmal nur Pläne. Das ist jetzt noch kein konkreter Auftrag, aber es ist schön zu hören, dass diese √úberlegungen zumindest in dieser Arbeitsgruppe auf jeden Fall schon da sind.
[Vanessa]
18:07 Vielleicht noch eine Frage: Du hast schon gesagt, dass-- der Name hat sich nicht verändert, das Logo aber schon. Habe ich das richtig verstanden?
[Linnea]
18:15 Es hat sich ja insofern noch nicht mal verändert, sondern es gab vorher nicht wirklich 'n Logo. Also es gab natürlich die analoge Ordner-Der hatte ein Logo, aber dadurch, dass wir ja schon den Namen überarbeitet haben, brauchte das Ganze natürlich 'ne ganz neue Markenidentität. Und das ist wirklich ja einfach das Traumprojekt eines jeden Designers, eine solche Marke von der Pieke auf zu erschaffen. An dieser Marke hängt dann eben natürlich einmal das Logo, dann der Claim, aber natürlich auch der gesamte Look, also das gesamte UI-Design der App muss natürlich auch in einem, aus einer Hand sein. Und das haben wir dann eben geschafft und da sind wir auch so unglaublich stolz, weil wir dann auch wirklich den German Brand Award für diese App gewonnen haben. Und nicht nur gewonnen haben, wir haben sogar das Goldzertifikat bekommen, was pro Projekt, pro Kategorie in dem Jahr nur ein Projekt bekommt. Also das ist wirklich die höchste Auszeichnung, die man als Brand Designer in dem Falle, ähm, wirklich bekommen kann. Und das gepaart mit dem Feedback, was wir da aus, von, von den Schülerinnen und Schülern bekommen haben, aus den Schulen bekommen, kombiniert natürlich eben mit dieser hohen Nutzbarkeit, dem Datenschutz, dieser Gamification in dieser App, das macht das ganze Projekt wirklich so rund, wie ein Projekt nur sein kann. Vor dem Hintergrund der absolut großen Herausforderungen, wie diesem Projektkonsortium, den Abstimmungsrunden und dann natürlich auch dieser BTV-Zertifizierung
[Vanessa]
19:50 Also hast du ja gesagt, es gab sehr viel Feedback von Schülerinnen und Schülern. √Ñhm, kannst du was teilen, wo du sagst, das war wirklich so 'n, 'n tolles Feedback nach Abschluss des Projekts oder währenddessen, was die Schülerinnen da so, so verraten haben?
[Linnea]
20:03 Ich sag mal so, die Marke, die wir geschaffen haben, die steht sinnbildlich natürlich für all das, was diese App für sie darstellt. Da würde ich gern mal was vorlesen. Die haben das Logo zum Beispiel bekommen.
[Vanessa]
20:15 Mhm.
[Linnea]
20:15 Auf diesem Logo, so viel kann ich schon verraten, ist ein kleiner Avatar zu sehen, der ganz bewusst ganz neutral gestaltet ist, eben aufgrund der Heterogenität der Zielgruppe. Der hat so am Kopf so 'ne kleine freche Welle. Genau deswegen, weil ich mir gedacht habe, die Schülerinnen und Schüler müssen ja in ihrem Kopf, in ihrer Identität sich wirklich entwickeln erst mal. Und das haben wir, dieses, das haben wir alles in das Logo gegossen und dieses Logo den Schülerinnen und Schülern gezeigt. Und die haben dann so schöne Sätze einfach in freier Assoziation zu diesem Logo gesagt, wie: "Da es die eigene Zukunft geht." Oder: "Es sieht aus, als wenn der Kopf wandern würde in die richtige Richtung", oder: "Weil man ja auch Berufsorientierung für sich sucht und daher auf seinen Traumberuf für sich selber achten muss." Also, ihr könnt euch vorstellen, bei diesen Zitaten, da geht mir wirklich einfach das Herz so dermaßen auf, weil wir einfach- -merken, wir haben einen Auftrag mit dieser App bekommen. Wir haben einen Auftrag bekommen, dass Schülerinnen und Schüler dieses Landes, die in eine so unglaublich unsichere Zukunft schauen-- wir sind ja alle schon, ne, wir haben das alles schon hinter uns und wir schauen jetzt grade alle ja wirklich mit, mit Besorgnis und Spannung in die Zukunft. Wie ist das erst bei jungen Menschen, die gerade erst dabei sind, sich überhaupt zu entwickeln, überhaupt eine Identität zu entwickeln, überhaupt rauszufinden, was sie eigentlich können, was sie wollen, was sie interessiert und was sie auch begeistert? Und dass das, dieses kleine Logo, das transportieren kann, dass die so was sagen, die, da es um die eigene Zukunft geht, da ist wirklich mein Brand-Designer-, alles-Designer-Herz komplett aufgegangen
[Vanessa]
22:15 Ja , man, man merkt das auch richtig, wie da so die, die Leidenschaft und die Begeisterung aus dir spricht. Und, äh, ich sitz' ja auch mit 'nem Lächeln, denn ich find das wirklich- -wahnsinnig schön, was ihr da geschaffen habt. Wie ist denn da der aktuelle Stand? Also hast du da Zahlen, wie viele Schülerinnen und Schüler das, ähm, Nutzen, oder, ja, wie viele-- was wäre euer Ziel? Wie viele sollen da noch dazukommen in den nächsten Jahren
[Linnea]
22:39 Genau, da kann ich gern mal was dazu sagen. Also es ist ja so, dass wir die App ausgelegt haben in der Skalierungsfähigkeit, rein technisch gesehen, auf bis zu über fünf Millionen Nutzerinnen und Nutzer.
[Vanessa]
22:54 Wow.
[Linnea]
22:54 Das sind nicht alles nur Schülerinnen und Schüler, sondern Lehrkräfte, Administratoren und so weiter, das ist ja alles noch mit dabei. Aktuell ist es so, dass über hunderttausend Personen die schon nutzen.
[Vanessa]
23:05 Okay.
[Linnea]
23:06 Da sind schon-- in acht Bundesländern hat es diesen Rollout schon gegeben. Das Kernprojekt waren vier Jahre. Wir sind jetzt aber schon fast seit sieben Jahren insgesamt dabei und 'n Ende ist noch nicht in Sicht. Also hunderttausend sind ja noch lange von fünf Millionen entfernt. Das, woran es, sag ich mal, ich will jetzt nicht sagen scheitert, aber was zumindest eine große Herausforderung ist, ist einfach die Bürokratie dahinter.
[Vanessa]
23:31 Mhm.
[Linnea]
23:31 Ne, wir haben sechzehn Bundesländer in Deutschland. Die Finanzierung ist natürlich 'n Riesenthema. Das ist ja einfach das, was bürokratisch hinter dieser App steht. Und da wird aber alles, aber wirklich alles dafür getan, dass das jetzt immer, immer weiter in die Rollouts geht und hoffentlich irgendwann wirklich ganz Deutschland diese App nutzen kann.
[Vanessa]
23:56 Ich stell mir das auch sehr, sehr schwierig vor, wenn man bedenkt, dass ja Schule, äh, Ländersache ist eigentlich, ne?
[Linnea]
24:01 Exakt. Vielleicht einen Satz dazu noch: Was wir aber zusätzlich zu der App auch gemacht hatten, war ein großes Kommunikationspaket, denn das war uns ja eben auch bewusst. Initial in diesem Projekt-- Projektkonsortium sind alle diese, alle diese Institutionen- -plus eben schon mal acht Bundesländer. Währenddessen hatten schon sechs weitere Bundesländer auch ihr Interesse, zwarAngekündigt, aber bis das dann wirklich in die jeweiligen Schulen reinkommt, muss ja im Prinzip dieses Projektkonsortium Werbung dafür machen. Hey, es gibt diese App, die ist da, die ist nutzbar, die wird weiterentwickelt, kommt mit dazu. Das heißt, so 'n Kommunikationskaffee-Paket, was wir da gemacht hatten, bestand dann eben aus 'ner Landingpage. Wir haben 'n Social Media Konzept gemacht, also natürlich alles hochanonym. Klar, da sind da keine Daten oder so drin, aber einfach Werbung dafür zu machen, diese App gibt es und diese Möglichkeit gibt es. Und ihr als Lehrkräfte eben auch an den Schulen habt die Möglichkeit, das in euren Unterricht einzubinden.
[Vanessa]
Linea, vielleicht kommen wir mal zur Auflösung. Du hast ja schon 'n bisschen was angeteasert und wir sind natürlich alle super, super neugierig. Dürfen wir denn, äh, Linea erfahren, welches Unternehmen, welche Organisation, äh, steckt denn heute hinter der Kundenliebe AG
[Linnea]
Es ist ein großes Projektkonsortium, aber im Zentrum steht unsere konkrete Auftraggeberin, die GIB Gestaltung, Innovationen und Beratung in der Arbeits- und Sozialpolitik GmbH. Die ist an NRW, an die, an das Land NRW gekoppelt, ähm, ist aber stellvertretend für dieses gesamte Projekt zuständig. Dahinter steckt ein riesiges Projektkonsortium, das unter anderem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wurde. Da sind acht Bundesländer direkt von Anfang an mit dabei gewesen, die Bundesagentur für Arbeit, das Bundesinstitut für Berufsbildung, die Bundesarbeitsgemeinschaft dieses analogen Ordners und ja, der großen, großen Organisation, die dahintersteckt Und die App, das kann ich jetzt auch verraten, wenn man jetzt gut zugehört hat und ich jetzt sage Berufwahlpass, dann kann man sich denken, weil es eben nicht der neue coole Name wurde, den wir mal ursprünglich angedacht hatten, ist es einfach die Berufswahlapp geworden. Und das ist dann auch die URL, unter der man das ganze Projekt sich anschauen kann, die Berufswahlapp Punkt de
[Vanessa]
Vielen, vielen Dank, dass du uns da heute mit reingenommen hast. Was wir auf jeden Fall auch noch verraten dürfen, ist, dass ihr natürlich als Sunznet GmbH das ganze Projekt realisiert habt und zwar ja wirklich, das hast du uns ja auch verraten, wirklich von von A bis Z, ne. Also ihr wart da ja komplett involviert
[Linnea]
Genau. Das können wir dann vielleicht auch noch mal sagen. Also diese Pitchanbahnung, die schon Anfang zweitausendneunzehn damals anfing, die war eigentlich ausgelegt auf sogenannte zwei Lose. Das heißt, das eine Los war die Konzeption und das Design und das zweite Los die technische Entwicklung. Das war eigentlich wirklich von Anfang an so ausgelegt, dass das zwei getrennte Unternehmen machen. Ich kann aber nur sagen, im Sinne dieses Projekts, dieses hochkomplexen Projekts haben die damals die absolut richtige Entscheidung getroffen, dieses Projekt nur einer Agentur zu geben Und das bedeutet nämlich, dass eben mein Konzepterkollege, Entwicklerkollege, meine Projektmanagerin und natürlich noch, wer weiß wie viele, ähm, Mitkollegen aus der, aus dem Unternehmen einfach in einem Raum wirklich sitzen konnten und dieses Projekt von der Gestaltung, Konzeption, dieses ganze Gamification Prinzip dahinter in Zusammenarbeit mit den Wissenschaftlern eben, das konnte nur deshalb so zu einer Gesamtlösung werden, die so gut verzahnt ist
[Vanessa]
Linea, ich glaub, man kann euch gratulieren, die Daumen drücken natürlich auch für die Zukunft, dass das so weitergeht und dass da wirklich möglichst viele Schülerinnen und Schüler davon so profitieren können. Vielen, vielen Dank auch, dass du uns diesen spannenden Case mitgebracht hast. Und danke Linea, dass du heute da warst
[Linnea]
Vielen, vielen Dank. Hat sehr viel Spaß gemacht
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